Autorin Sibylle Berg geht für Satirepartei nach Brüssel

2 Tage vor

Sibylle Berg bei der Auszeichnung mit dem Bertold-Brecht-Preis.  Imago

Sibylle Berg - Figure 1
Foto DiePresse.com

Immerhin 1,9 Prozent der Stimmen holte sich „Die Partei“ in Deutschland. Damit bekommt neben Nummer eins Martin Sonneborn auch die vielfach ausgezeichnete Sibylle Berg ein Mandat.

„Danke den 56 mio die für uns gestimmt haben“, schreibt Sibylle Berg auf X. Oder: „vielen dank ! zu zweit werden wir jetzt den überwachungsfaschismus gütig beenden! jede hilfe ist willkommen“. Wirkt wie Satire? Ist es auch. Der realer Bezug ist allerdings gegeben: Sibylle Berg, erfolgreiche Autorin von Dramen, Romanen und Hörspielen, ist für die deutsche Satire-Partei „Die Partei“ in das Europaparlament gewählt worden.

„Die Partei“ wurde schon 2004 von Redakteuren des deutschen Satiremagazins „Titanic“ gegründet. Im Europa-Parlament ist „Die Partei“ seit 2014 vertreten, und zwar durch ihren Vorsitzenden Martin Sonneborn. Der Autor, Satiriker und eben Politiker, wird auch wieder dort einziehen. Am gestrigen Sonntag erhielt „Die Partei“ in Deutschland 1,9 Prozent der Stimmen und stellt damit zwei Abgeordnete.

Die „FAZ“ beschreibt die Satirepartei in einem Interview als „nicht leicht einzuordnen: zu Scherzen aufgelegt, aber auch konfrontativ, gelegentlich aggressiv mit erkennbar antikapitalistischer Ausrichtung“. Und Berg sah sich damit auch ein wenig selbst beschrieben: „Ich habe einen Grad an politischem und gesellschaftlichem Unverständnis erreicht, dass ich gerne außerhalb des eng umrissenen Rahmens von Literatur aktiv werden möchte“, hatte sie dazu im Vorjahr gesagt. Und nannte eine „intelligente Satire-Partei mit dem Basisansatz von Systemkritik und anarchischen Ansätzen eine Alternative für Leute, die von der Parteipolitik enttäuscht sind.“

Berg war auf Platz zwei angetreten. Bei der EU-Wahl gibt es keine wirkliche Prozenthürde – 0,6 Stimmprozent reichen für ein Mandat. Die Autorin, die 1962 in Weimar geboren wurde und seit vielen Jahren in der Schweiz lebt, ist eine Vielschreiberin. Ihr erster Roman „Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot“ erschien 1997. Einige ihrer wichtigsten Bücher: „Die Fahrt“ (2007), „Der Mann schläft“ (2009), „Vielen Dank für das Leben“ (2012), „Der Tag, als meine Frau einen Mann fand“ (2015), „GRM“ (2019) und „RCE“ (2022).

Das Berliner Ensemble führte zuletzt zwei Werke auf, in denen es um Auswüchse sozialer Ungerechtigkeit und den Einfluss digitaler Technologien geht. Ihre Theaterstücke wurden auch im Burgtheater und im Wiener Rabenhof gezeigt. Berg bekam u.a. den Schweizer „Grand Prix Literatur“, den Bertolt-Brecht-Preis und den Nestroy Theaterpreis. Berg schrieb außerdem zwölf Jahre lang eine Kolumne für „Spiegel Online“. Sie ist auch sehr aktiv auf Twitter. (red.)

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