Dodge Durango Hellcat: Das 710-PS-SUV im Test - AUTO BILD

4 Tage vor
Dodge Durango Hellcat: Das 710-PS-SUV im Test

Eigentlich ist der Dodge Durango ein SUV wie jedes andere und keiner vermisst das US-Modell auf europäischen Straßen. Doch als Hellcat wird er zum Sportwagen fürs Grobe – und ist so eine willkommene Abwechslung zu all den überzüchteten Performance-SUV aus dem deutschen Süden.

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Bild: Dani Heye

Ja, ein gewisser Donald T. stellt unsere Liebe zu Amerika gerade auf eine schwere Probe. Und auch Elon Musk ist als Mischung aus elektrischem Missionar, visionärem Mars-Siedler und zwielichtigem Kämpfer für die digitale Meinungsfreiheit nicht nur ein Sympathieträger.

Doch es gibt ein paar feste Größen, die uns wieder versöhnen mit dem Land unserer Sehnsucht – gute, ehrliche Rock-Musik, Burger, BBQ und hemdsärmelige Achtzylinder mit einer Durchschlagskraft wie Arnold Schwarzenegger in seinen besten Jahren. Und all das ist so viel stärker und vor allem dauerhafter als jeder Politiker oder Promiente, seien sie auch noch so einflussreich.

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* Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und zu den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen und gegebenenfalls zum Stromverbrauch neuer Pkw können dem "Leitfaden über den offiziellen Kraftstoffverbrauch" entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der "Deutschen Automobil Treuhand GmbH" unentgeltlich erhältlich ist www.dat.de.

Während Bruce Springsteen gerade zum x-ten Mal durch Europa tourt und in unseren Vorgärten jetzt wieder den ganzen Sommer über die Ribs auf den Smokern garen, hält deshalb zumindest Dodge in der großen Stellantis-Sippe dem V8-Motor die Treue. Bei uns machen die vielen Marken zwar auf Öko, singen das Hohelied der E-Mobilität und schwören sonst auf milde hybridisierte Dreizylinder.

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Für den Dodge Durango Hellcat werden 114.444 Euro fällig.

Bild: Dani Heye

Und selbst Jeep und Ram schwören mittlerweile auf Hurrican statt Hemi und ersetzen den guten alten Achtzylinder dafür immer öfter durch einen neuen V6 -Turbo. Doch so, wie Springsteen noch immer "

Born

to run" brüllt und sie bei Burger King über der offenen Flamme grillen, brennt zumindest Dodge noch auf acht Flammen – und zwar höllisch heiß.

Dodge Durango Hellcat: 710 PS

Zumindest beim Hellcat, der sündig schönen Sportversion des 6,4-Liter-Liter-Triebwerks. Und weil sie es ernst meinen mit dem Kampf gegen das elektrische Establishment, bauen sie den nicht nur im

Challenger

und im

Charger

ein, sondern auch im

Durango

und machen den amerikanischen Dauerbrenner so mal eben zu einem der stärksten SUV der Welt. Von wegen

Lamborghini Urus

,

Aston Martin DBX

,

Bentley Bentayga

oder

Porsche Cayenne

– mit 710 PS zeigt euch der Hellcat-Durango, wo der Hammer hängt.

Bei uns ist sich Stellantis offiziell zu fein ist, diesen politisch hoffnungslos inkorrekten Kaventsmann ins Land zu holen, oder vielleicht auch nur zu geizig für die CO2-Strafen. Doch weil es auch hierzulande genügend Petrolheads mit US-Sehnsüchten gibt, holt der schwedischen Importeur KW Auto das Höllenkätzchen mit offiziellem Stellantis-Segen über den Atlantik.

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Der Durango Hellcat leistet 710 PS.

Bild: Dani Heye

Ja, es gibt ihn ab knapp 70.000 Euro, mit einem herkömmlichen V8 von auch nicht gerade bescheidenen 5,7 Litern und immerhin 360 PS. Aber nach dem Motto "wennschon, dennschon" soll es doch bitte gleich für 114.444 Euro der Hellcat sein.

In unauffälligem Grau steht der Testwagen deshalb jetzt nicht in Michigan auf dem Parkplatz, sondern in Mittelhessen: 5,11 Meter lang, 2,7 Tonnen schwer, sieht er aus, als wolle er den Opel Grandland daneben zum Frühstück verputzen. Und man muss nur den mächtigen Motor anlassen, um zu wissen, warum die Farbe nicht Mausgrau heißt, sondern "Destroyer Grey". Denn als hätte jemand die Tore zur Hölle geöffnet, brüllt der Dodge schon im Stand alles nieder und man wartet förmlich darauf, dass Flammen aus den Nüstern züngeln, die sie in

Detroit

in die riesige Haube geschnitten haben.

889 Nm entfalten ihre teuflische Wirkung

Und spätestens, wenn sich zum ersten Mal der Fuß senkt, spürt man das Feuer, auch ohne, dass man es sieht. Begleitet von Fauchen und Kreischen des Kompressors entfalten 710 PS und 889 Nm ihre teuflische Wirkung, katapultieren den Koloss in 3,6 Sekunden auf Tempo 100 und wer genug Mut hat, eine ausreichend lange Gerade oder am besten beides, der hat bald 290 Sachen auf der Uhr. So klingt es, wenn Motown Speed-Metall spielt.

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Ein bisschen mehr Liebe zum Detail würde dem Durango gut zu Gesicht stehen.

Bild: Dani Heye

Natürlich gibt es SUV in dieser Leistungsklasse, die präziser sind als der Durango, die auf einer Passstraße mehr Spaß machen und weniger Gottvertrauen brauchen. Denn je enger die Kurven werden, desto fester muss man ins Lenkrad packen und desto kürzer wird der Atem, selbst wenn man das adaptive Fahrwerk auf Sport gestellt hat und sich die Dämpfer entsprechend hart machen.

Und ein bisschen Weitblick beim Bremsen kann trotz der pizzatellergroßen Scheiben in den 20-Zöllern auch nicht schaden. Denn der Durango ist kein Präzisionswerkzeug wie ein Porsche, sondern eine Dampframme, die ihre Kraft mit dem Holzhammer auf die Straße prügelt.

Und wo wir gerade bei unserer kleindeutschen Kritik sind: Ein bisschen mehr Liebe zum Detail und mehr Finesse bei der Materialauswahl würden dem Durango schon gut zu Gesicht stehen und ein Update fürs digitale Infotainment wäre auch nicht schlecht. Erst recht, wenn man ihn mit der eiligen Elite der europäischen SUV vergleicht. Doch erstens haben die allesamt weniger Leistung. Zweitens sind sie schnell mal doppelt so teuer. Denn auch wenn 114.444 Euro für eine noch so stark motorisierte Ami-Kutsche eine schöne Stange Geld sind, ist der Hellcat neben AMG & Co ein Schnäppchen, von Lamborghini, Bentley oder

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Aston Martin

ganz zu schweigen.

Das US-SUV ist eine willkommene Abwechslung zu den Performance-SUV aus dem deutschen Süden.

Bild: Thomas Geiger / AUTO BILD

Bier und Burger eben statt Haute Cousine. Und drittens haben sie vom DBX bis zum Urus allesamt viel weniger Charakter als der Muskelprotz aus Motown, dem allenfalls noch der G63 das Wasser reichen kann. Und wer noch ein Argument fürs Hirn braucht statt fürs Herz, der sei auf die dritte Sitzreihe verwiesen, die es in sonst keinen Performance-SUV zu kaufen gibt. Dahinter bleiben zwar nur noch 490 statt sonst bis zu 2400 Liter Kofferraum, aber so kann der geübte Fahrer gleich fünf Freunden die Kraft aus dem Gesicht treiben und sie mit einem einzigen Gasstoß mal eben zum Teufel schicken. Was für ein himmlisches Vergnügen!

Zum Teufel mit der Political Correctness. Natürlich ist der Hellcat die pure Sünde, anachronistisch und bis in die letzte Schraube unvernünftig. Und genau wie nach drei Stunden Springsteen live, tun einem nach einer ausgedehnten Fahrt alle Knochen weh, es brennen die Hände und es pfeifen die Ohren. Aber dafür ist man wie beseelt von der rohen, puren Kraft, von der ehrlichen Art und vom aufrichtigen Charakter. Bitte , nur noch eine Zugabe, dann fahre ich ab morgen auch wieder Vierzylinder oder zur Not sogar Elektroauto. Versprochen!

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