„Pink-Panther“-Diebin Cirkovic bei Jenke: „Kriminalität ist wie eine Sucht“

TV-Kolumne: „Pink-Panther“-Diebin Cirkovic bei Jenke: „Kriminalität ist wie eine Sucht“

Olivera Cirkovic war eine Top-Basketballerin. Dann stieg die Serbin bei der gefürchteten „Pink Panther“-Bande ein und erbeutete Juwelen für 100 Millionen Euro. Ihr größtes Opfer aber ist ihr eigener Sohn Nikolas. Von Focus-Autor Axel Wolfsgruber

„Die Kriminalität ist wie eine Sucht“, sagt die hochgewachsene Serbin Olivera Cirkovic. Sie war viele Jahre erfolgreiche National-Basketballerin, spielte für Roter Stern Belgrad, war bekannt und geschätzt in Jugoslawien. Dann wurde sie eine der führenden Köpfe der legendären „Pink-Panther“-Bande.

Olivera Cirkovic verdiente in Spitzenzeiten 50.000 Euro am Tag. Sie plante und führte Diebstähle auf teure Juweliergeschäfte in Griechenland aus. Sie verkauft die Ware aber auch persönlich. Bei einer gestohlenen Rolex waren 40 Prozent vom Neupreis drin, erklärt sie. „Uhren verkauften sich damals am besten“, erinnert sich Cirkovic.

Journalist Jenke von Wilmsdorff hat die mittlerweile 52-Jährige mehrfach zum Gespräch getroffen, um nach ihren Motiven für die Taten zu forschen. Eines der Motive soll demnach sein, dass ihr Vater immer wieder zu ihr gesagt habe, dass „meine Olga alles kann“. Daran glaubt die Serbin nach eigenem Bekunden bis heute. Aber als Erklärung reicht das wohl kaum aus. 

Politiker und Polizisten kauften Hehlerware

Pink Panthers ist der Name einer weltweit tätigen Gruppe von Juwelenräubern. Den geschätzten 200 Mitgliedern werden mehrere Hundert Überfälle auf Schmuckgeschaffte zugeordnet. Die Bande ist ein soziales Netzwerk von Profis, aus welchem sich für jede Tat neue Kleingruppen rekrutieren. Fast alle Mitglieder stammen aus dem ehemaligen Jugoslawien, sprechen Serbokroatisch. Die Gruppe ist in einer Art Zellen-System organisiert, deren Mitglieder sich nach einem nicht erkennbaren System immer neu zusammensetzen, um ihn im Detail vorbereiteten Überfälle auszuführen.

Auch die Serbin Cirkovic stellte sich ihre Bande immer wieder gezielt zusammen. Bereits in den 90er-Jahren verkaufte sie gestohlene Hehlerware in angemieteten Wohnung. Die Polizei schien sich für das illegale Treiben in den Wirren der Zeit nicht sonderlich zu interessieren. Im Gegenteil. „Die Kunden wussten, dass es Hehlerware war. Es kamen auch Politiker und Polizisten“, meint Cirkovic. Als der Nachschub der Ware ins Stocken kam, initiierte die Serbin eigene Überfälle.

„Ich übte großen Einfluss auf Leute aus“

Der Kontakt ins Milieu entstand durch ihren Gatten. Den hatte Olivera Cirkovic 1995 in Athen kennengelernt. Nach einem Monat gestand er ihr, dass er ein Krimineller sei. „Er war charmant und besonders“, meint Olivera Cirkovic. Nach einem Jahr heiratete das Paar. Da war Sohn Nikolas bereits unterwegs. Cirkovic reizte die Macht, das Verbotene, das Unangepasste. Die Serbin sagt: „Die Leute waren mir sympathisch, weil sie nach eigenen Regeln lebten.“ Cirkovic war eine Meisterin ihres Faches. „Ich bin diszipliniert und in der Lage viel zu ertragen“, erklärt sie und auch: „Ich war sehr suggestiv und übte großen Einfluss auf Leute aus.“

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Ihre Brust strafft sich vor Stolz, als sie das erzählt. Sie lächelt zufrieden. Ihr damaliger Basketballtrainer Zoran Kovalic meint: „Sie hatte nicht die besten Voraussetzungen. Aber sie war schnell im Kopf.“ Im Basketballteam wurde sie rasch eine Anführerin. „Wer mich und meinen Charakter kennt, für den ist der Wechsel von Profisport zur Kriminalität nachvollziehbar.“ Akribisch ging sie in die Basketballspiele, akribisch schmiedete sie ihre Pläne für die Überfälle. Es kommen 140 Überfälle auf Juweliere zusammen. 

„Meine Mitarbeiter haben mich auf eine Podest gestellt“

„Kriminalität ist wie wie eine Sucht“, findet die Serbin. „Ich wollte immer die Spitze erreichen - im Sport wie in der Kriminalität.“ Dann lobt sie sich wieder selbst: „Meine Mitarbeiter haben mich geliebt und haben mich auf ein Podest gestellt.“ Sie wird trotzdem geschnappt, kommt zweimal hinter Gittern und bricht beim zweiten Mal am 12. Juli 2012 aus. „Das Gericht hat die Rebellin in mir erzeugt“, erklärt sie und gibt einem ungerechten Staat die Schuld an der hohen Haftstrafe.

 Als sie floh, ging sie ausgerechnet nach Griechenland zurück, wo sie zuvor erwischt worden war. Sie will dort hart zurückschlagen. Sie sagt aber auch, dass „der Ausstieg aus der Kriminalität fast unmöglich ist“. Man müsse seinen Stolz vergessen. Das Schuldbewusstsein für ihre Taten fehlt Olivera Cirkovic völlig. „Ich hatte keine Gewissensbisse.“ Die horrenden finanziellen Schäden oder auch die psychologischen Nachwirkungen bei den Bestohlenen, deren Traumata und Panikattacken, interessieren die Diebin und heutige Malerin nicht. Auch erklärt sie allen Ernstes, sie habe weitermachen müssen, weil sie ihrem Jungen keinen schlechteren Lebensstandard zumuten wollte.

„Olivera Cirkovic fehlt die Empathie“

„Ich war immer alleine wie ein Hund“, erklärt Olivera Cirkovic’ Sohn Nikolas. „Ich musste meine Schmerz unterdrücken. Sie hat mir jeden Tag gefehlt.“ Der junge Mann erzählt vor laufender Kamera, wie er bei Geburtstagen und anderen Familienfesten immer alleine war. Seine kriminellen Eltern seien nie bei Elternabenden gewesen oder hätten ihn vom Schulbus abgeholt. Er lernte auch, seine Mutter nicht noch zusätzlich zu belasten, war ein guter Schüler und Sportler, stellte keine Forderungen.

„Meine Mutter steckte ihn der Kriminalität fest und es gab kein Zurück“. Nikolas saß im Gerichtsaal, als seine Mutter zu 32 Jahren Gefängnis verurteilt wird. 18 Wochen nach ihrer Flucht aus dem Gefängnis sitzt sie wieder hinter verschlossenen Türen. Die Gesamtstrafe wird nach einer Amnesie im Jahr 2017 allerdings auf fünf Jahre verkürzt. Seit fünf Jahren ist sie draußen. Eine Forensische Psychiaterin analysiert: „Olivera Cirkovic hat wenig Mitleid. Ihr fehlt die Empathie.“ Ihr Sohn Nikolas sagt: „Wenn ich mal einen Sohn habe, möchte ich nicht, dass er sowas durchmachen muss, weil er vielleicht nicht so stark ist wie ich.“ 

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