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Greg Abel soll auf Warren Buffett folgen: Das ist der künftige Chef von Berkshire Hathaway

Nach jahrelangem Zögern hat Investmentlegende Warren Buffett endlich seinen Nachfolger an der Spitze von Berkshire Hathaway benannt: Greg Abel soll es machen. Wer ist der Mann?

Warren Buffett hat unbestätigten Quellen zufolge Schuhgröße 43 - so groß scheinen die Fußstapfen also gar nicht zu sein, die Greg Abel ausfüllen muss. Seit dem gestrigen Montag ist klar: Der 59-jährige Abel, der bereits seit mehr als 20 Jahren für Berkshire Hathaway tätig ist, soll den Multimilliardär und Altmeister der Kapitalanlage, das berühmte "Orakel von Omaha", an der Spitze der Beteiligungsholding ersetzen. Gewaltige Fußstapfen also, die Abel ausfüllen muss, wenn nicht im wörtlichen, so doch mit Sicherheit im übertragenen Sinne. Hat er das Zeug dazu?

Greg Abel wurde im kanadischen Edmonton geboren, im klassischen Arbeitermilieu, wie US-Medien berichten. Sein erstes Geld verdiente er sich als Heranwachsender mit Jobs wie dem Verteilen von Prospekten oder dem Auffüllen von Feuerlöschern. Nach dem Studium an der Universität von Alberta stieg er in den 1980er-Jahren beim Wirtschaftsprüfer PriceWaterhouseCoopers in San Francisco ein. Es folgte Anfang der 90er ein Wechsel in die Energiebranche, der Abel bis heute treu geblieben ist: Zuerst übernahm das Unternehmen CalEnergy, bei dem Abel tätig war, den Konkurrenten MidAmerican Energy. 1999 verleibte sich Buffetts Berkshire Hathaway MidAmerican ein – damit war Abel, inzwischen President von MidAmerican, im Reich des heute 90-jährigen Starinvestors angekommen.

Karrierestart in San Francisco

Auch bei Berkshire ging es für Abel weiter aufwärts, wobei er in Walter Scott Jr. (89) einen einflussreichen Fürsprecher hatte. Scott Jr., laut "Forbes" heute gut fünf Milliarden Dollar schwer, ist ein Jugendfreund Buffetts, der den Energieinvestments des Berkshire-Chefs einen Großteil seines Vermögens verdankt. So tat er sich mit Buffett für die Übernahme von MidAmerican zusammen und sitzt bis heute in verschiedenen Gremien des Berkshire-Konglomerats. "Greg ist die Art Mensch, die, wann immer es etwas zu tun gibt, bereit ist, hinzugehen und es zu tun", sagt Scott Jr. einmal in einem Interview über Abel.

Mit der Einstellung bringt es Abel bei Berkshire Hathaway nun also ganz an die Spitze. Seit 2008 sitzt er bereits im Topmanagement des Konzerns. Er ist Chef der inzwischen in Berkshire Hathaway Energy (BHE) umbenannten ehemaligen MidAmerican und überwacht zudem sämtliche Energiegeschäfte von Berkshire, sei es im Bereich Kohle-, Gas-, Wind-, Solar-, Geothermal- oder Atomenergie. Damit ist Abel verantwortlich für insgesamt rund 23.800 Mitarbeiter und einen Umsatz von 20,9 Milliarden Dollar im Jahr 2020, wie CNBC berichtet.

Die Dimensionen werden künftig noch einmal eine Nummer größer sein: Zu Berkshire Hathaway gehören inzwischen etwa 90 Unternehmen, diverse Aktienpakete etwa von Bank of America, Coca-Cola oder Apple noch gar nicht mitgezählt. Insgesamt beschäftigt der Konzern mit allen Töchtern weit mehr als 300.000 Mitarbeiter. Das Aktienportfolio hat Berichten zufolge gegenwärtig einen Wert von mehr als 280 Milliarden Dollar. Allein im ersten Quartal 2021 erzielte Berkshire einen Nettogewinn von mehr als sieben Milliarden Dollar.

Abel beschrieb sich selbst noch vor wenigen Jahren als Macher. "Ich möchte etwas bewegen", sagte er 2018 der US-Bildungsorganisation Horatio Alger Association. "Ich möchte aktiv daran beteiligt sein, unsere Firma erfolgreich zu machen." Er denke, harte Arbeit zahle sich aus, so Abel weiter. "In der Schule, im Sport und während meiner Berufskarriere habe ich die Erfahrung gemacht, dass, wenn ich viel Arbeit einsetze und gut vorbereitet bin, der Erfolg wahrscheinlicher wird."

Dazu wird er demnächst wohl mehr denn je Gelegenheit bekommen. Seit 2018 ist klar, dass Abel zu den Favoriten für die Buffett-Nachfolge gehört. Den Vorzug vor Mitbewerber und Berkshire-Versicherungschef Ajit Jain, dem Cousin des früheren Deutsche-Bank-CEOs Anshu Jain (58), erhielt er nach Angaben Buffetts vor allem aufgrund des Alters: Abel ist zehn Jahre jünger als der 69-jährige Jain und hat damit die bessere Aussicht auf eine längere Amtszeit an der Berkshire-Spitze.

Buffetts Aufgaben werden auf mehrere Schultern verteilt

Offen ist bislang indes, wann Abel an die Spitze von Berkshire Hathaway rücken soll. Wenn es so weit ist, will der künftige Konzernchef jedoch eigenen Angaben zufolge gar nicht erst versuchen, Buffetts Fußstapfen ganz allein auszufüllen. Es werde für ihn unmöglich sein, Buffett im Alleingang zu ersetzen, sagte Abel Berichten zufolge auf der jüngsten Aktionärsversammlung von Berkshire Hathaway am vergangenen Wochenende. Die Aufgaben des langjährigen CEOs würden vielmehr auf mehrere Schultern verteilt, wobei Abel neben Ajit Jain auch die beiden Berkshire-Porfoliomanager Ted Weschler (58) und Todd Combs (50) gemeint haben dürfte.

Schließlich: Nicht nur an der Berkshire-Spitze hat Buffett gegenüber Abel momentan noch die Nase vorn. Auch finanziell begegnen sich beide kaum auf Augenhöhe. Starinvestor Buffett hat über die Jahre ein Privatvermögen von mehr als 100 Milliarden Dollar angehäuft, was ihn laut "Forbes" zum derzeit sechstreichsten Menschen der Welt macht. Abel dagegen spielt in einer anderen Liga: Wie "Forbes" ebenfalls berichtet, beträgt sein Privatvermögen und 484 Millionen Dollar.

Grundlage davon ist vor allem ein 1-Prozent-Anteil an BHE, der rund 480 Millionen Dollar wert sei, so "Forbes". Von Berkshire Hathaway selbst dagegen besitzt Abel auffallend wenige Aktien: Laut "Forbes" hat der künftige CEO gegenwärtig lediglich fünf Berkshire-Class-A-Aktien (aktueller Kurs: rund 400.000 Dollar) sowie 2363 Berkshire-Class-B-Aktien (Kurs: etwa 280 Dollar) im Depot. Macht zusammen einen Wert von etwa 2,8 Millionen Dollar.

Zum Vergleich: Warren Buffett besitzt beinahe 250.000 Class-A-Aktien von Berkshire Hathaway. Dass dieses Paket heute mehr als 100 Milliarden Dollar wert ist, ist zum größten Teil Buffetts eigener Verdienst. Nicht zuletzt deshalb nennen Fans den Altmeister seit Jahren auch das "Orakel von Omaha" - einen solchen Beinamen muss sich Greg Abel erst noch verdienen.

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