Russland verurteilt US-Reporter Evan Gershkovich zu 16 Jahren Haft

19 Jul 2024

Evan Gershkovich vor Gericht in Russland. Reuters / Evgenia Novozhenina

Evan Gershkovich - Figure 1
Foto DiePresse.com

Der Korrespondent des „Wall Street Journal“ war seit März 2023 wegen Spionagevorwürfen inhaftiert. Er wies die Vorwürfe stets zurück. Es kursieren Gerüchte über einen möglichen Gefangenenaustausch.

In dem umstrittenen Prozess wegen angeblicher Spionage hat ein russisches Gericht US-Reporter Evan Gershkovich zu 16 Jahren Haft verurteilt. Die Anklagebehörde sah die in dem Verfahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit erhobenen Vorwürfe als erwiesen an. Er soll im Auftrag des US-Geheimdienstes CIA konspirativ Informationen über die Rüstungsfabrik Uralvagonzavod gesammelt haben, warf ihm der russische Inlandsgeheimdienst FSB vor.

Gershkovich, der als Korrespondent für das „Wall Street Journal“ in Russland arbeitet, die US-Zeitung selbst wie auch die US-Regierung haben die Vorwürfe stets als haltlos zurückgewiesen. Washington forderte seine Freilassung. Der 32 Jahre alte US-Reporter war im März 2023 festgenommen worden.

Der Prozess fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Reuters / Dmitry Chasovitin

Rasche Verurteilung als Hinweis auf Austausch?

Nach offiziellen russischen Angaben laufen im Verborgenen Verhandlungen über einen Austausch von Gershkovich mit den USA, ohne das bisher eine Einigung erzielt werden konnte. Russische Beobachter deuten eine schnelle Verurteilung als möglichen Hinweis darauf, dass Gershkovich nun rasch ausgetauscht werden könnte. In der Regel muss nach russischer Justizpraxis ein Urteil vorliegen, damit es zu einem Austausch kommt.

Der Machtapparat presst so immer wieder in den USA inhaftierte Russen frei. Zudem hat der Kreml ein Interesse daran, einen nach dem Mord im Berliner Tiergarten 2021 verurteilten Russen in Deutschland freizubekommen. Der Mörder erschoss dem deutschen Urteil zufolge im Auftrag staatlicher Moskauer Stellen aus Rache einen georgischen Staatsbürger, weil der im Tschetschenienkrieg russische Soldaten getötet haben soll.

Warnungen an westliche Medien

Gershkovich hat die meiste Zeit seiner seit mehr als einem Jahr andauernden Untersuchungshaft in einem Moskauer Gefängnis verbracht. Er hatte wie viele westliche Journalisten in Russland mit einer Akkreditierung des Moskauer Außenministeriums gearbeitet und recherchiert. Danach gab es auch offizielle Warnungen an westliche Reporter, in Kriegszeiten in das für seine Rüstungsindustrie bekannte Jekaterinburg 1.800 Kilometer östlich von Moskau zu reisen. Wegen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine ist die Lage im Land besonders gespannt. Vertreter westlicher Medien, die aus offiziell so bezeichneten unfreundlichen Staaten kommen, laufen schnell Gefahr, als Spione denunziert zu werden.

Zahlreiche westliche Medien haben ihre Mitarbeiter aus Russland abgezogen, nachdem Russlands Präsident Wladimir Putin im Zuge des Angriffskriegs gegen die Ukraine Gesetze mit hohen Strafandrohungen gegen die „Diskreditierung“ der Streitkräfte oder die Verbreitung von „Fake News“ erließ. Die russisch-amerikanische Journalistin Alsu Kurmasheva wurde im vergangenen Jahr wegen Verstoßes gegen das Gesetz über „ausländische Agenten“ und die Verbreitung falscher Informationen über die Streitkräfte verhaftet. Sie bestreitet ebenfalls die Vorwürfe.

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