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Deutschland muss in Hitzeschlacht gegen Portugal zulegen

Nach dem 0:1 gegen Frankreich steht Deutschland gegen den amtierenden Fußball-Europameister Portugal schon mächtig unter Druck. Das DFB-Team suchte in den vergangenen Stunden nach der zum Turnierauftakt fehlenden Durchschlagskraft. Viele Lücken werden

Nach dem 0:1 gegen Frankreich steht Deutschland gegen den amtierenden Fußball-Europameister Portugal schon mächtig unter Druck. Das DFB-Team suchte in den vergangenen Stunden nach der zum Turnierauftakt fehlenden Durchschlagskraft. Viele Lücken werden auch die Portugiesen am Samstag (18.00 Uhr/live ORF 1, oe24.TV) nicht anbieten. Immerhin: Superstar Cristiano Ronaldo hatten die deutschen Verteidiger zuletzt immer im Griff.

Ein Stempel gegen Deutschland fehlt Ronaldo noch in seinem Goalgetter-Pass. Genüsslich rechneten portugiesische Medien in diesen Tagen vor, dass der Kapitän der "Selecao" schon gegen 34 verschiedene Nationalteams getroffen habe - aber gegen Deutschland noch nicht. Viermal stand der Nationalheld den Deutschen bei Großturnieren gegenüber - immer gewann der von Joachim Löw (mit)betreute Gegner. Portugals letztes Erfolgserlebnis ist schon 21 Jahre her (3:0 bei EM 2000).

Doch während Deutschland gegen Frankreich tor- und punktlos blieb, entledigte sich der Titelverteidiger mit einem späten 3:0 in Ungarn von dem größten Druck. "Jetzt ist es notwendig, so weiterzumachen und das nächste Spiel zu gewinnen", gab Doppel-Torschütze Ronaldo die Marschroute vor.

Nach den Toren Nummer zehn und elf ist Ronaldo nun alleiniger EM-Rekordtorschütze. Einen Vollstrecker dieser Kategorie hat der Gegner nicht in seinen Reihen. Serge Gnabry, Thomas Müller und Kai Havertz bildeten gegen Frankreich ein recht stumpfes Offensiv-Trio, Joker Timo Werner blieb ohne gelungene Aktion. Scharfe Tiefenläufe wurden kaum angerissen, die Straufraumszenen waren rar, ganz allgemein blieb der Stress-Level in Frankreichs Hintermannschaft überschaubar.

Kritik von ehemaligen Größen blieb nicht aus. Mit Bastian Schweinsteiger etwa monierte ein Weltmeister von 2014: "Dem DFB-Team hat der Punch gefehlt und es ist zu wenig ins Risiko gegangen." Ex-Kapitän Michael Ballack regte eine Systemänderung an, nachdem Löw auf eine Dreierabwehr gesetzt hatte. "In der Dreierkette fühlen sich noch nicht alle wohl. Mit einer Viererkette kann man in Zukunft auch andere Möglichkeiten haben, um dann auch mehr Durchschlagskraft zu erzielen."

Löw wehrte sich gegen den Vorwurf, nicht genug ins Risiko gegangen zu sein: "Das haben wir gemacht, wir hatten ja nur drei statt vier Verteidiger auf dem Feld." Anzeichen für einen radikalen System- und Personalwechsel gab es vor Spiel zwei nicht. Möglicherweise schickt Löw dieselben Elf aufs Münchner Grün wie gegen Frankreich mit Joshua Kimmich als Rechtsverteidiger. Dieser forderte: "Wir müssen im nächsten Spiel zeigen, dass wir auch ein Favorit sind."

"All in" gehen muss der Ex-Weltmeister jedoch nicht. Auch ein Weiterkommen als einer der vier besten Gruppen-Dritten ist möglich. Ilkay Gündogan hofft dennoch auf mehr Esprit. "Ich hoffe, dass wir mehr nach vorne spielen, wir sollten offensiv denken. Weil wir es auch können."

Bei prognostizierten Temperaturen über 30 Grad Celsius kündigt sich auch ein körperlicher Abnützungskampf an. Gegen große Fußball-Nationen haben die Deutschen seit zwei Jahren nichts gerissen, Niederlagen gegen Frankreich (0:1), Spanien (0:6) und Niederlande (2:4) stehen in der Statistik.

Portugals Bruno Fernandes warnte dennoch: "Vor eigenem Publikum in München zu spielen, bedeutet für sie eine zusätzliche Motivation." Der Kreativgeist von Manchester United sieht eine Drucksituation mit ungewissem Ausgang. "Sie müssen gewinnen. Das kann manchmal ein positiver Faktor sein, kann sich aber auch negativ auswirken, weil die Nerven eine Rolle spielen." Vor seinem 70. Pflichtspiel seit September 2020 vermutete Fernandes: "Es wird ein hartes Spiel für uns, für Deutschland aber auch."

Dessen ist sich auch Coach Fernando Santos bewusst: "Sie haben eine fantastische Mannschaft, es wird schwer sie zu schlagen. Ich habe aber keine Angst vor ihnen, wir respektieren uns gegenseitig." Das Duell bezeichnete er als "Schlüsselspiel". Keine Option dabei ist Linksverteidiger Nuno Mendes, der angeschlagen fehlt.

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